Der Freu und Muetter
Rosa Mathyer (1904- 1983) und der sieben Jahre ältere Albert Streich (1897-1960) lernten sich beim dramatischen Verein Brienz kennen.

Sie war hochgewachsen und hatte wunderschönes langes und gewelltes Haar, welches sie bis ins hohe Alter immer hochsteckte. Und Albert- er überzeugte mit viel Charme und Kreativität. Aus der gemeinsamen Leidenschaft Theater wurde bald mehr.
Gedicht " Schpaziergang 1941" von Albert Streich
»Vom See har striicht e lliechta Wind
und fläderled im Cheschtileub;
dier chiehld -er ds Wang und fahrd der lind
dir ds Haar und mier i ds Gsicht
im gliiche Zug.
Eis gsehm-mer lang dem Wasser zue,
wies genge schnuuped, liichted, läbt.
Da brieggischt du, und seisches due:
Eis heim-mers liecht, eis schwärrder,
Du und i. «
Die beiden haben 1924 in Brienz geheiratet und eine gemeinsame Wohnung im Schwandergässli bezogen, bevor sie schliesslich 1952 ein eigenes Haus am Glyssibach bauen konnten.
Im oberen Stock befand sich ein einfaches, kleines Stübli, doch gross genug, dass sich darin unzählige Gedanken verlieren und Gedichte entstehen konnten.
Hier Albert in seinem Arbeitszimmer am Glyssibach. An der Wand gut zu sehen ein Porträt von ihm, 1948 gemalt von J.P.Flück.
Aus gesundheitlichen Gründen sah sich Albert nicht in der Lage den Beruf des Schriftsetzers auszuüben und so arbeitete er in verschiedenen Berufen, u.a. als Gemeindeangestellter. Daneben kreisten seine Gedanken ständig um lyrische Texte.
Viel sass er in seinem kleinen Zimmer und feilte an neuen Texten. Das Foto zeigt eine typische Szene von ihm: Ein Hemd an, die Ärmel hochgekrempelt und mit konzentrierten Blick auf seine Arbeit an der Schreibmaschine. Andreas erinnert sich noch gut daran, dass stundenlang ein ständiges Klackern der Schreibmaschine zu hören war.
Auch sonst war der Notizblock immer dabei und Andreas schaute ihm viel zu.
Gedicht "Waahar? - Ätti und Chind" Albert Streich
» Du, Ätti!
Jaa?
Waahar chunnd der Bach?
Vom Bäärg, vom Bäärg embrin,
vonn daa i See, und den i Flus,
bis wiit, bis wiit dir ds Tal disuus
und wiiterhin
i ds Meer. (...)«
Rosa war ebenfalls künstlerisch begabt und hatte damit viel Verständnis für ihren Mann Albert. Sie stand mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen hinter ihrem Mann und förderte sein dichterisches Schaffen. Nicht nur aus Pflicht, sondern weil sie selbst einen Zugang zur Kunst hatte und seine Arbeiten nachvollziehen konnte. Neben dem Theater spielen hat sie gerne handarbeitet und war stundenlang im Garten anzutreffen. So unterstützte sie ihren Mann nach besten Kräften und hielt ihm den Rücken frei.
Albert widmet ihr 1944 sogar sein zweites Buch : "Underwägs - Värsa in Brienzer- Mundart".
Darin ist das Gedicht " Der Freu und Muetter" zu finden:
» (...) Und hescht nid seuft!
Und wurscht doch mid däm allem fertig,
bischt d`Mitti da ir chliinne Gmeind.
Und waa-tu geischt
und waa-tu schteischt,
i ds Herrgotts Namen,
ischt leubs und guets Diheimmesiin.«
Sie hat im Lebensmittelladen von Louise Nägeli gearbeitet. Zu dieser Zeit wurden Mehl und viele andere Lebensmittel lose verkauft- nicht abgepackt, sondern offen und frisch aus Vorratsschubladen entnommen. Damals war es üblich. dass die Kunden ihre Gebinde selber mitbrachten. Man erzählt sich, dass sie manchmal schnell Landjäger unter der Ladentheke versteckt haben, weil nicht alle wissen durften, dass sie Fleischwaren verkauften.
Hier rechts auf dem Foto mit Schwägerin Kläri Mathyer an ihrer Seite.
Bei Rohners hat sie Wollfäden in Taschen für Kollektionsbücher geklebt, damit die Kunden Farbe, Struktur und Qualität der Wolle besser sehen und fühlen konnten. Dies brauchte sehr viel Geschick, damit die Muster alle exakt gleich aussahen. Dazu sehr viel Geduld und viel Fertigkeit, damit man auch ja kein Kleber sah und auch nichts verrutschte. Darüber hinaus fertigte sie als zusätzliche Einkommensquelle Holzhäuschen in filigraner Handarbeit und feinem Gespür für Kreativität her und trug damit aktiv zum Familieneinkommen bei.
Und dies neben einem Haushalt mit vier Kindern. Eine stille Kraft, die das Leben der Familie organisierte und zusammen hielt.
Die Familie konnte sich über vier Kinder freuen. Nach Helene, Vreni und Hans erblickte mit 19 Jahren Abstand Andreas 1948 das Licht der Welt.
Er wuchs im Schwandergässli auf und erlebte dort die ersten vier Jahre seiner Kindheit.
Als zweijähriger Bueb war sein Lieblingsspielzeug ein Holzschaukelpferd.

Den handgeschnitzten Kopf dieses treuen Spielgefährten bewahrt er noch heute auf und erinnert ihn an unbeschwerte Kindheitstage.
Gemeinsam mit Freunden konnte Andreas viele schöne gemeinsame Stunden im Schwandergässli und am Glyssibach erleben.
Hier links auf dem Foto mit Nachbarskindern beim gemeinsamen Lismen.
Er heckte gemeinsam mit Freunden auch viele Streiche aus. So haben sie etwa einen schiefen Schneemann gebaut und an einer Haustüre angelehnt, frech geklingelt, sich schnell davongeschlichen und voller Spannung gewartet bis die Haustüre geöffnet wurde.

Mit seiner Mutter unternahm er auch viele gemeinsame Ausflüge, wie hier 1955 auf die Axalp.

Im Winter wurde im Schwandergässli mit Geschwistern und Freunden Ski gefahren.
Holzski, Lederstiefel, einfache Bindung- es verlangte Gewandtheit, war aber auch ein Erlebnis und machte gemeinsam mit Freunden viel Spass.

Lebhaft in Erinnerung sind ihm noch die Skirennen im Tal geblieben. Er erzählt zwei Episoden mit einem verschmitzten Lächeln, als wäre es erst gestern gewesen:
»Mitten im Skirennen: Schnee spritzte um die Skispitzen, die Zuschauer jubelten, als plötzlich jemand laut "Dres" rief. Ohne zu zögern hielt ich meine Fahrt an, ging voller Neugierde schauen was los sei und wurde damit natürlich Letzter.«
»Nach einem weiteren Rennen im Tal der grosse Moment: die Preise wurden im Säli des Schützen verteilt. Wieviele Kinder und Eltern kennen diesen Moment nur zu gut! Mir klopfte das Herz. Was soll ich als Preis nur nehmen - die guten, teuren Ski oder das kleine Holzchalet? Klein Dres hat sich natürlich für das Holzchalet entschieden. Es hätte ja noch etwas Tolles darin sein können.... .«

Dres war 12 Jahre alt als sein Vater an Nierenversagen verstarb. Ein schwerer Schicksalsschlag für seine Mutter Rosa, sie war erst 56jährig und die ganze finanzielle Bürde lastete nun auf ihr einzig. So vermietete sie als Einkommensquelle oft die gesamte Wohnung an Ferienleute und zog während dieser Zeit in das kleine Arbeitsstübli ihres Mannes.
Lehrer Ruedi Perren unterstützte Dres nach Kräften und schickte ihn zu einem Berufsberater. Dieser riet ihm zu einer Mechanikerlehre mit Spezialisierung als Werkzeugmacher. Später arbeitete er bei den Jungfraubahnen .

Dort lernte er auch seine spätere Frau Dora Gertsch kennen, welche ihm immer Rückhalt gibt. Sie ist kreativ und hält bis heute viele spannende Momente und Gegebenheiten mit ihrer Fotokamera fest.
Trotz aller Erlebnisse in der Ferne blieb immer eine tiefe Verbundenheit mit Brienz bestehen. Als sich die Lebensumstände änderten, konnten sie miteinander das Elternhaus am Glyssibach übernehmen, sind nach Brienz zurückgekehrt und bewerkstelligten lange Zeit gemeinsam liebevoll und mit viel Geduld die Pflege von Mutter Rosa.
» (...) So gähmmer zue, bloss Schrid fir Schrid,
en-andren igheichts wies der Bruuch.
Und näbis, ummis, wies-es gid,
ischt eppis Heimlichs umha,
eppis Guets. (...)
Gedicht "Schpaziergang 1941" Albert Streich
Bilder schwarz/weiss: zur Verfügung gestellt von Andreas Streich
» Gedichte « von Albert Streich
Text und farbige Fotos : Sabine Eggenschwiler
Pionier der Berge: Erinnerung an Albert Eggler (1913-1998)
Erstbesteigung des Lhotse (8`516m) vor 70 Jahren
Ein harscher Wind strich an jenem Morgen vom Hochland Tibets heran, fauchte über die hochgelegenen Grate und Gipfel hinweg. Schneefahnen wirbelten über die Kreten, als sich zwei Männer Schritt für Schritt durch das Lhotsecouloir in die Höhe kämpften. Es war der 18.Mai 1956 um 14.50 Uhr, als Ernst Reiss und Fritz Luchsinger schliesslich auf dem Gipfel des Lhotse standen.
Noch nie zuvor hatte ein Mensch diesen Gipfel betreten.
Hans und Martha touren auf der Vespa durch die Schweiz
Kurze Städte-Trips mit dem Zug oder gar mit dem Flugzeug, die heute gang und gäbe sind, gab es früher nicht. Unsere Eltern und Grosseltern verbrachten ihre wenige freie Zeit und die Wochenenden meist mit Spaziergängen, Kirchgängen und kleineren Ausflügen. Mit dem Aufkommen der ersten Autos taten sich neue Möglichkeiten auf und es wurden sicherlich unzählige Pässefahrten oder Fahrten ins Blaue unternommen.
Freudenklänge, Festgesänge
Im «Brienzer» vom Samstag, den 9. April 1904, wurde über die Einweihung des neuen Schulhauses Brienz Dorf berichtet.
Restaurant Panorama - Umbau vorbei, Zuhause gefunden
Nach 28 Jahren haben Sonja und Fritz Zumbrunn den Betrieb Ende März 2022 aufgelöst. Erfahren Sie hier die schöne Geschichte wie alles begann und wie sich das Panorama veränderte.
Acht eis, es Huppmeisi!
Im Winter kommen verschiedene Vögel zu Besuch – kennt Ihr die Namen auf Brienzerdeutsch?