Pionier der Berge: Erinnerung an Albert Eggler (1913-1998)
Bereits im Jahr zuvor trafen sich Ernst Reiss (1920-2010), Jürg Luchsinger (1927-2013) und der Brienzer Albert Eggler in Zürich zu einer Besprechung.Die »Schweizerische Stiftung für Alpine Forschung« beabsichtigte eine Expedition in den Himalaya zu entsenden. Als Gesamtleiter dieses Unternehmens wurde Albert Eggler vorgesehen.
Es war eine ehrende Auszeichnung und ein eminenter Vertrauensbeweis in seine grossen Fähigkeiten - aber auch eine Entscheidung von enormer Tragweite. Es stand nicht nur viel Geld auf dem Spiel, sondern auch das Schicksal vieler Menschenleben.
Albert Eggler ist in Brienz aufgewachsen und Sohn des Notars Albert Eggler sen. (1877-1939). Nach der Rückkehr aus Asien hat er 1956 seine Erlebnisse im Buch »Gipfel über den Wolken« niedergeschrieben.
Hier beschreibt er auch seine Jugend im schönen Schnitzlerdorf Brienz. Er erzählt von der Schneeschmelze, von kräftigen Sommergewittern, beschreibt das Schwimmen im kühlen Wasser des Brienzersees und erinnert sich an das Abendrot am Sustenhorn.
»Denn mir war als Brienzer eine Heimat beschieden, die mich zutiefst an die Natur band« hält er im Buch fest.
Später war er viel in seinen Heimatbergen unterwegs- und unsere Väter waren mit dabei. Im Frühling auf Skitouren zum Wildgerst, zum Schwarzhorn und zum Faulhorn. Im Sommer dann zu den stolzen Gipfeln der Berneralpen.
Albert Eggler studierte in Bern und Berlin Rechtswissenschaft. Wie mancher Heimwehbrienzer hat er sich in der Fremde wohl intensiv mit den Bergen seiner Heimat auseinandergesetzt. In der Armee leitete er als Hauptmann Gebirgskurse und wurde Mitglied des Akademischen Alpenclubs Bern. Die bekannte Engelhorn-SAC Hütte im Oberhasli ist im Besitz dieser legendären Sektion.
Als er der Lhotse-Expedition nach einigem Bedenken zusagte, war ihm noch vieles unklar. Er wusste lediglich, dass eine grosse Herausforderung, verbunden mit viel Arbeit auf ihn wartete. Eine grosse Reise zu den Gipfeln des Himalayas versprach aber auch ein grossartiges, vielleicht einmaliges Erlebnis zu werden.
Nach einer beschwerlichen Reise über Bombay und Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, erreichten die Expeditionsteilnehmer schliesslich das Basislager am Khumbu Gletscher. Während der Anreise, aber auch anlässlich der ausgedehnten Trainings-und Akklimatisierung-Touren, dokumentierten sie das Land und seine Bewohner eingehend, führten Tagebuch und schossen viele eindrückliche Fotoaufnahmen.
Nachdem das Basislager endlich eingerichtet war, wurde ein gangbarer Weg durch den wild zerklüfteten Khumbu-Eisfall gefunden.Nach und nach wurden verschiedene Höhenlager eingerichtet, Material und Ausrüstung hochgeschleppt und so mit viel Schweiss und Mühe alles vorbereitet, um den Gang auf de Gipfel des Lhotse (8`516m) zu ermöglichen. Als dann am 20.Mai 1956 die beiden Männer Ernst Reiss und Fritz Luchsinger entkräftet und erschöpft von den Anstrengungen in grosser Höhe, aber auch geschwächt und durchfroren nach einer bitterkalten Nacht im Biwak nach der erfolgreichen Gipfelbesteigung endlich wieder das Lager V.(7`500m) erreichten, wurden sie dort bereits von Albert Eggler und Ernst Schmied erwartet.
Die Begegnung nach dem grossen Erfolg war hochemotional, man lachte und umarmte sich. Dann wurden die beiden Erstbesteiger verpflegt und notdürftig versorgt, bevor man schliesslich den gemeinsamen und heiklen Abstieg wagte. Ernst Reiss beschreibt in seinem Buch »Mein Weg als Bergsteiger« die so erlebte Bergkameradschaft. In den folgenden Tagen gelang weiteren Teilnehmern der Expedition die zweite und sogar dritte Besteigung des Mount Everest.
Die grossartige Geschichte der Erstbesteigung des technisch äusserst anspruchsvollen Lhotse mit extrem steilen Eispassagen von über 60 Grad gilt international als Meilenstein im Alpinismus und darf daher nicht vergessen werden.
Der Brienzer Albert Eggler, welcher als Leiter der berühmten Himalaya-Expedition massgeblich zum Gelingen dieses Unternehmens beigetrug, hat es verdient, dass ihn sein Dorf Brienz in ehrenvoller Erinnerung behält.
Bericht: Aschy Walthard (Jg.: 1954), Hofstetten
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